

Da der Begriff der Psychosomatik selbst von den Medizinern meist auf eine Krankheitslehre reduziert wird, auf die Lehre von Krankheiten bei denen psychische Faktoren maßgeblich und regelhaft an der Entstehung beteiligt sind, muss das von der Gemeinsamen Einrichtung für Klinische Psychosomatik vertretene Konzept einer Integrierten Psychosomatik sowie die Organisation von Psychosomatik am LKH-Graz näher beschrieben werden.
Vor dem Hintergrund des sogenannten bio-psycho-sozialen Krankheitsmodells wird Gesundheit und jede Krankheit als ein komplexes, vielfach verwobenes und wechselseitig interagierendes Gefüge verstanden in dem biologische, psychologische und soziale Faktoren als gleichwertige (nicht immer als gleich wichtige) Bedingungen der menschlichen Existenz zu begreifen sind. Neben biologischen können somit psychische und soziale Faktoren zur Entstehung einer Krankheit beitragen, aber auch den Zeitpunkt ihres Auftretens mitbestimmen, die Reaktion des Menschen auf körperliche Veränderung beeinflussen sowie den Zeitpunkt, zu dem der Kranke einen Arzt aufsucht. Sie färben das Verhalten während des Krankseins und können Ausmaß und Geschwindigkeiten der Genesung modifizieren.
Psychosoziale Aspekte sind bei jeder Krankheit zu berücksichtigen, unterschiedlich sind die jeweiligen Mischungsverhältnisse: Manchmal stehen psychosoziale Faktoren im Vordergrund, manchmal biologische. Unterschiedlich ist auch die Ebene ihrer Wirkung. Manchmal beeinflussen sie mehr die Entstehung einer Krankheit, manchmal mehr deren Verlauf, das Krankheitsverhalten oder die Genesung.
Dieses Konzept ist also weniger eine spezielle Krankheitslehre sondern eine Sichtweise die konsequenterweise vom Arzt verlangt, jeden Patienten psychosomatisch zu beurteilen und zu behandeln. Behandelt wird der Kranke und nicht die Krankheit.
Obwohl psychosomatische Therapie auch biomedizinische Kompetenzen und Fähigkeiten voraussetzt, ist die Psychotherapie die genuine und zentrale Behandlungsmethode des Fachgebietes.
Die Gemeinsame Einrichtung für Klinische Psychosomatik setzt das Konzept des bio-psycho-sozialen Krankheitsmodells in Form eines psychosomatischen Konsiliar-/Liaison-Dienstes um.
Neben einigen Konsiliardiensten besteht derzeit eine Zusammenarbeit auf der Ebene eines Liaisondienstes mit zwölf medizinischen Abteilungen.