
Das Gebäude der Universitätsklinik für Strahlentherapie - Radioonkologie, in dem sich die Untersuchungs- und Behandlungsräume und eine Bettenstation befinden, wurde als eine nach modernsten Gesichtspunkten gestaltete und ausgestattete Strahlentherapie 1984 in Betrieb genommen. Seitdem wurde das Haus den neuen technischen Entwicklungen gemäß aufgerüstet. Die Universitätsklinik für Strahlentherapie-Radioonkologie in Graz ist eine von drei universitären Einrichtungen für dieses klinische Fach und dient der Versorgung der gesamten steirischen Bevölkerung und des südlichen Burgenlandes.

Vor jeglicher strahlentherapeutischer Intervention werden alle Patienten/Innen zu einem ausführlichen Informations- und Aufklärungsgespräch eingeladen, wobei nach erfolgtem Einverständnis die Behandlung in der Regel auf ambulanter Basis oder falls erforderlich im Rahmen eines oder mehrerer kurzfristiger stationärer Aufenthalte (z.b. bei gleichzeitiger intravenöser Chemotherapie, Therapie von Nebenwirkungen, Transportunfähigkeit) durchgeführt wird. Die Gesamtdauer einer Bestrahlungsserie variiert zwischen 2 - 7 Wochen und erfolgt in der Regel täglich von Montag bis Freitag. Die Bestrahlung selbst ist schmerzfrei und nimmt nur wenige Minuten in Anspruch.
Die Strahlenbehandlung wird für alle Patienten/Innen individuell unter größtmöglichem Schutz gesunder umgebender Organe und Strukturen geplant. Sie erfolgt auf höchstem internationalem Niveau und basiert auf den besten zur Zeit verfügbaren Methoden. Die Entscheidung über die jeweils optimale Gesamtbehandlungsstrategie erfolgt in Absprache mit den zuweisenden onkologischen Fachdisziplinen und im Rahmen interdisziplinärer Besprechungen unter Einbindung von Spezialisten der diagnostischen Radiologie und Pathologie. Vorab werden Patienten/Innen zusätzlich über die Möglichkeit an nationalen oder internationalen Studien teilzunehmen informiert.
Präzisionsbehandlungen im Kopf-Hals Bereich können mit Hilfe einer stereotaktischen Lokalisationseinheit durchgeführt werden. Dieses System erlaubt die Erfassung des zu behandelnden Volumens mit einer Genauigkeit von 1 bis 2 Millimetern. Die Grundlage dafür bildet ein fest mit dem Patienten verbundener Lokalisator-Rahmen, der in der Computertomographie zur Abbildung kommt und so die Definition eines räumlichen Koordinatensystems ermöglicht. Für diese Behandlungen wird ein micro-Lamellenkollimator, der über besonders schmale Lamellen zur definierten Strahlbegrenzung verfügt, eingesetzt.
Einer der Linearbeschleuniger ist mit einem System zur exakten, automatischen Patientenpositionierung mittels Infrarotkameras ausgestattet, das auch die online Überwachung der Patientenposition während der Behandlung erlaubt. Dazu werden reflektierende Marker am/an Patienten/Innen angebracht, deren Position von den Kameras zu jedem Zeitpunkt exakt erfasst und dokumentiert wird.
Zusätzlich steht eine Steuerungseinheit zur atemgetriggerten Bestrahlung von Tumoren im Thoraxbereich zur Verfügung. Dabei wird der Strahl der Atemphase entsprechend unterbrochen, um das behandelte Volumen möglichst gering halten zu können.
Im Falle einer besonders eng angrenzenden Lage von Tumor zu Risikoorganen kann die sogenannte intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) eingesetzt werden. Dabei wird durch computergesteuerte Lamellenbewegung während der Bestrahlung die Intensität des Strahles derart moduliert, dass dem Tumor eng anliegende, strahlenempfindliche Organe bestmöglich geschützt werden können. Zur Berechnung der jeweils erforderlichen Intensitätsmodulation verfügen die Bestrahlungsplanungssysteme über spezielle Algorithmen zur inversen Planung.
Neben den angeführten relativ neuen Spezialtechniken an den Beschleunigeranlagen wie Stereotaxie und IMRT zählen die Ganzhautbestrahlung und die Ganzkörperbestrahlung vor geplanter Knochenmarkstransplantation ebenso wie die intraoperative Radiotherapie (IORT) seit Jahren zur Routinebehandlung. Um Verzögerungen im Patienten/Innenbetrieb zu vermeiden wurde zur IORT-Vorbereitung 1989 ein Eingriffsraum in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Linearbeschleunigern installiert der allen chirurgisch tätigen Fachdisziplinen zur Verfügung steht. Diese Behandlungsmethode ermöglicht nach der operativen Freilegung die selektive Bestrahlung des Tumors oder Tumorbettes mit extrem hohen Einzeldosen. Um die Gesamtdosis im Zielvolumen zu erhöhen wird bei kurativer Zielsetzung eine konventionelle Teletherapie-Serie angeschlossen.
Als eine der ersten Kliniken weltweit verfügten wir bereits 1985 über ein HDR-Brachytherapie-Nachladegerät, mit dem intraluminale,- intracavitäre,- interstitielle und Oberflächenbetrahlungen (Moulagentechnik) ambulant durchgeführt werden konnten. Das Indikationsspektrum für diese kleinvolumige Bestrahlungstechnik umfasst die Therapie gynäkologischer Tumoren, Tumoren der Perianal / Analkanalregion, des HNO-Bereichs, der Speiseröhre, Bronchien, Gallengänge sowie oberflächlich gelegener Tumoren anderer Lokalisationen, wobei diese Methode alleine oder in Kombination mit Teletherapie An-wendung findet.
Wenn nötig werden ambulante Patienten/Innen während der Bestrahlungsserie in unserer Pflegeambulanz betreut, um eine kompetente Versorgung etwaiger Behandlungs-nebenwirkungen vor Ort zu gewährleisten.
Auf der Bettenstation können 23 schwerkranke Tumorpatienten/Innen aufgenommen werden. Die im Jahr 1997 erfolgte Renovierung und Adaption der Krankenzimmer erfolgte unter dem Gesichtspunkt der positiven psychischen Beeinflussbarkeit durch Farben. Als weiterer Schritt wurde im August 2005 mit dem Zubau eines Wintergartens für unsere Patienten/Innen begonnen, um ihnen den stationären Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Ein weiterer Aspekt dieses Projektes besteht darin, die weitläufige Terrasse des Bettentraktes einer ganzjährigen Nutzung zuzuführen.
Nach Beendigung der Radiotherapie werden die Patienten/Innen in unserer Nachsorgeambulanz in Absprache mit anderen onkologisch tätigen Disziplinen weiterbetreut.
Neben der Erfüllung jener Aufgaben, die sich aus einer strahlentherapeutisch ausgerichteten Klinik des LKH - Universitätsklinikum Graz ergeben, wie jene der Krankenbetreuung, Facharztausbildung und Fort- und Weiterbildung, zählen Lehre und Forschung zu unseren Aufgaben als Universitätsklinik der Medizinischen Universität Graz.