
An der Univ.-Klinik für Neurochirurgie in Graz stehen 48 Betten für die stationäre Behandlung von Erwachsenen bereit. Die personell und technisch-apparativ modernst eingerichtete Intensivstation umfasst weitere zehn Betten für intensivpflichtigem PatientInnen und drei Betten für die postoperative Aufwachphase. Der Operationstrakt besteht aus drei mit allen, dem neuesten Stand entsprechenden, instrumentellen Einrichtungen ausgestatteten Operationssälen. Mit dem kürzlich installierten intraoperativen MR-Gerät ("PoleStar") ist es jetzt auch möglich, Hirntumore während der Op-eration darzustellen, deren Entfernung sofort zu kontrollieren und bei Bedarf zu ergänzen. Dieses Gerät ist das erste derartige in Österreich. Im Ambulatorium werden jährlich nahezu 9000 PatientInnen untersucht und beraten.
Den zahlenmäßig größten Anteil der Operationen stellen Eingriffe an der Wirbelsäule wegen degenerativer Veränderungen, insbesondere von Bandscheibenvorfällen, dar. Zusätzlich zu den konventionellen Operationsmethoden kommen in ausgewählten Fällen auch minimal invasive Eingriffe zum Einsatz, wie zum Beispiel die percutane Discektomie oder die endoskopische Bandscheibenoperation. Bei degenerationsbedingten Stabilitätsproblemen der Wirbelsäule werden segmentversteifende Eingriffe nach modernsten Methoden vorgenommen.
Einen weiteren großen Anteil des operativen Spektrums bilden die Hirntumoren, wobei an der Grazer Klinik die Chirurgie der Mittellinientumoren, der Tumoren der Schädelbasis und der Orbita, sowie der Hypophyse besondere Schwerpunktgebiete darstellen. In der Behandlung von Gefäßfehlbildungen besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Klinischen Abteilung für Spezielle Radiologie (Angiographie und intervent-ionelle Radiologie). Einem Gutteil dieser PatientInnen können so durch endovasculäre Verschlussmethoden große und funktionell oft riskante offene Operationen erspart werden.
Können gutartige Tumoren oder Gefäßfehlbildungen weder operativ noch endovasculär behandelt werden, bietet das Leksell Gamma Knife einzigartige Therapiemöglichkeiten. Seit seiner Inbetriebnahme im April 1992 wurden 3500 PatientInnen mit großem Erfolg behandelt, wobei in diese Zahl auch PatientInnen mit bestimmten Formen der Epilepsie, des Morbus Parkinson und mit Schmerzzuständen eingeschlossen sind. In den Fällen mit medikamentös nicht befriedigend behandelbarer Epilepsie werden die PatientInnen in Kooperation mit der Univ.-Klinik für Neurologie abgeklärt und so die optimale Form operativer oder radiochirurgischer Behandlung ermittelt. Bei PatientInnen mit anders nicht beherrschbaren schweren Schmerzzuständen werden, stereotaktisch gezielt, Stimulationselektroden in die betreffenden zentralen Areale des Gehirns implantiert (Deep Brain Stimulation) und so frappierende Verbesserungen ihrer Lebensqualität erzielt.
Ein flächendeckendes Hubschraubereinsatzsystem gewährleistet die rasche und adäquate Versorgung von SchädelhirntraumapatientInnen. Für unmittelbar am Ort der primären Einlieferung notwendige neurochirurgische Noteingriffe wird der diensthabende Facharzt an das periphere Krankenhaus geflogen.
Die meisten kindlichen PatientInnen mit neurochirurgisch zu behandelnden Erkrankungen werden gemeinsam an der Univ. Klinik für Kinderchirurgie stationär betreut und auch größtenteils dort in einem für neurochirurgische Belange adaptierten Operationssaal von den Neurochirurgen operiert. Damit ist eine europaweit nur in wenigen Städten vorhandene optimale interdisziplinäre Betreuungsmöglichkeit von Kindern mit neurochirurgischen Erkrankungen gegeben.