

Mit knapp 2.700 Geburten ist die Klinische Abteilung für Geburtshilfe eine der größten universitären Einrichtungen ihrer Art in Österreich und im deutschsprachigen Raum. Den Forderungen der modernen Geburtsmedizin entsprechend wird ein Spektrum von Möglichkeiten, darunter Geburtsvorbereitungskurse für Schwangere mit ihren Partnern angeboten. Die Grazer Frauenklinik war die erste universitäre Einrichtung im Gelände des Landeskrankenhauses, die über eine dauernde psychologische Betreuung verfügt. Der neuerrichtete Kreißsaal mit mehreren Entbindungsräumen, Entspannungszimmern und Bädern und dem Kreißsaal-OP ist die zentrale Anlaufstelle der Geburtshilfe.
Die Ambulanz der Geburtshilflichen Abteilung ist ein weiteres wichtiges Kommunikationszentrum, welches Informationen zwischen den Schwangeren, den zuweisenden ÄrztInnen und SpezialistInnen anderer Kliniken vermittelt, Gefahren rechtzeitig vor der Geburt erkennt und die nötigen Maßnahmen setzt. Unerwartete geburtshilfliche Notfälle werden dadurch seltener und stationäre Aufenthalte verkürzt oder vermieden.
In der geburtshilflichen Ambulanz der Gebärklinik erfolgt die Betreuung Schwangerer, die besondere Probleme aufweisen. Diese können entweder sie selbst oder das Ungeborene betreffen. Spezialisierten ÄrztInnen steht eine Reihe von Untersuchungs- und Überwachungsmethoden zur Verfügung, um Mutter und Kind optimal betreuen zu können. Neben der klinischen Untersuchung und der kindlichen Herztonregistrierung ist der Ultraschall hier in den letzten Jahren sehr wichtig geworden. Damit können in vielen Fällen das Wohlbefinden der Foeten überprüft und angeborene Fehlbildungen gefunden werden. Eine weitere Abklärung oder auch Therapie erfolgt dann gegebenenfalls mittels ultraschallgelenkter Punktion. Es werden im Rahmen der Ambulanz moderne Labormethoden weiterentwickelt, um genetische Befunde oder den Rhesusfaktor binnen kürzester Zeit aus dem Fruchtwasser oder in der Zukunft eventuell sogar aus fetalen Zellen im Blut der Schwangeren zu bestimmen.


Im Jahr 2006 erfolgten in der Ambulanz der Geburtshilflichen Abteilung 15.696 Ultraschalluntersuchungen, 4.398 Herzton-/Wehenuntersuchungen (CTG) und 363 intrauterine Punktionen (Eingriffe). Die Spezialambulanz für pränatale Diagnose und Ultraschalldiagnostik und die Präpartalstation erfüllen neben den Routineaufgaben auch die Anforderungen der Spitzenmedizin. Sie beschäftigen sich mit den Erkrankungen in der Schwangerschaft und erfreuen sich auf dem Gebiet der Betreuung von diabetischen Schwangeren sowie der sonografischen und invasiven Pränataldiagnostik und der Behandlung von Hochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft internationalen Ruf. Die Zusammenarbeit mit der Abteilung für peripartale Pädiatrie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, die in der Gebärklinik untergebracht ist, gewährleistet die optimale Versorgung der Neugeborenen über 24 Stunden.
Weitere wichtige Kooperationspartner für die Geburtshilfe sind unter anderem die Anästhesie, die Humangenetik, die Neurochirugie, die Kinderchirugie, die Urologie und Psychosomatik, mit denen in jeweiligen Fällen gemeinsame Therapiekonzepte verfolgt werden. Damit ist die Universitätsfrauenklinik perinatologisches Zentrum für ein großes Einzugsgebiet . Mit ihren weltweit beachteten Behandlungskonzepten über Krebserkrankungen in der Frauenheilkunde stellt die operative Gynäkologie zusammen mit dem Department für Konservative Gynäkologische Onkologie eine optimale Betreuung onkologischer Patientinnen dar. Die jahrelange Forschungstätigkeit im klinik-eigenen morphologischen Labor ist die theoretische Basis für die viel beachteten Behandlungskonzepte. Die Inkontinenzoperationen gehören zu den häufigsten Eingriffen in der Gynäkologie. Sie können heute nur unter Qualitätskontrolle von urodynamischen Untersuchungen erfolgen. Dies wird durch die Arbeitsgruppe für Urogynäkologie gewährleistet. Die operative Gynäkologie erfüllt weiters alle Anforder-ungen der endoskopischen Chirurgie.
Alle Formen der assistierten Reproduktion bietet die Klinische Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin an. Neben der „Standard"-In-Vitro Fertilisierung, die bei tubarer Sterilität, bei Endometriose und bei idiopathischer Kinderlosigkeit zum Einsatz kommt, wird in zunehmendem Maße die sogenannte Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) in Fällen mit schwerer männlicher Subfertilität durchgeführt (Abb. 2,4). Bei völligem Fehlen von Samenfäden im Ejakulat kann diese Behandlungsmethode nach Gewinnung von Spermien durch Biopsie aus dem Hoden oder Nebenhoden, ein Verfahren, das in Zusammenarbeit mit der Univ.-Klinik für Urologie erfolgt, praktiziert werden. In der Ambulanz der genannten Abteilungen werden neben Paaren mit Kinderwunsch und gehäuften Fehlgeburten Frauen mit Hormon- und Zyklusstörungen, Vermännlichungserscheinungen, Endometriose und Uterusmyomen (konservative Behandlung), Wunsch nach hormoneller Kontrazeption, Problemen im Klimakterium, vorzeitiger Menopause sowie Kinder und Jugendliche mit gynäkologisch-endokrinologischen Störungen betreut. Im stationären Bereich dieser Abteilung erfolgt die endoskopische Abklärung und Behandlung von Frauen mit Kinderwunsch, Endometriose und Uterusmyomen.
Der Tätigkeitsbereich der Abteilung für konservative gynäkologische Onkologie umfasst die konservative Behandlung gynäkologischer onkologischer Patientinnen (inkl. Patientinnen mit Mammakarzinom seit 1985) mittels zytostatischer Chemotherapie und Hormontherapie, unter Zuhilfenahme von hauptsächlich diagnostischen, aber auch kleinen therapeutischen Eingriffen. Die Versorgung erfolgt stationär sowie auch ambulant. Seit dem Jahre 1975 stellt die zytostatische Chemotherapie den Schwerpunkt des Departments dar. Die meist durchgeführten ambulanten Chemotherapien werden nach international vorgegebenen Richtlinien durchgeführt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die seit 60 Jahren existierende Tumornachsorge. In dieser Spezialambulanz wird auch die Erkennung von Rezidiven, Therapieerfolgen und auch die psychische Betreuung der Patientinnen Wert gelegt. In der Dokumentationskanzlei sind über 25.000 Karteien gesammelt. Durch ein EDV-gestütztes Mahnsystem werden die Nachsorgepatientinnen an ihren Kontrolltermin (wenn sie wollen) erinnert. Durch dieses Datenmaterial ist es möglich, die Behandlungsergebnisse mit den internatonal publizierten Zahlen zu vergleichen.
Neben ihren Aufgaben im Rahmen der Betreuung von Patientinnen erfüllt die Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtenhilfe alle Aufgaben von Lehre und Forschung im universitären Bereich. Hierzu ist die Einbindung klinisch erfahr-ener ÄrztInnen und DozentInnen ebenso wichtig, wie die Möglichkeit, im Zuge der Ausbildung Kontakte zu Aufgaben und Entwicklungen in den klinischen Labors und den Forschungslaboren der Universitätsfrauenklinik zu finden.
Wissenschaftliche und klinische Kooperation im In- und Ausland geben zusätzliche Impulse. An der Univ.-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtenhilfe wurden Erkrankungen der Brust und der Genitalorgane interdisziplinär diagnostiziert und therapiert.